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FUSSBALL: YB - LIVERPOOL, VORSCHAU

Fussball

19.09.2012 

(Si) Die Young Boys empfangen heute in der Europa League mit dem FC Liverpool einen ganz Grossen des europäischen Klubfussballs. Die "Reds" werden allerdings mit ihrer eigenen Variante der "Young Boys" antreten.

Die Berner mussten sich den Beginn der Gruppenphase und die Belohnung in Form des heutigen Tages hart erdauern. Ihre bisherigen Reisen führten in dieser Saison nach Moldawien, Schweden und Dänemark, wo gegen biedere, aber willige Widersacher die Qualifikation für die Gruppenphase sichergestellt wurde. Als am letzten Samstag im Cup auch noch die Formalität Wettswil-Bonstetten abgehakt war, konnte der Blick endgültig nach vorne gehen. Die sechs Partien gegen Liverpool, Anschi Machatschkala (Russ) und Udinese werden zweifelsfrei zu Höhepunkten im Saisonalltag.

Gerade der heutige Start wird den europäischen Herbst aus Berner Sicht perfekt lancieren. Das verknorzte Rückspiel vor drei Wochen gegen Midtjylland (0:2) ist nur noch in den Statistiken präsent. YB ist bereit, wie Trainer Martin Rueda sagt: "Wir haben eine gute Chance. Wir wollen mutig und entschlossen nach vorne spielen und unser Spiel spielen."

Die Vorfreude ist gross, "tout Berne" wird heute das Stade de Suisse bevölkern. Bis gestern Mittag wurden 29'000 Tickets im Vorverkauf abgesetzt. Bei YB hofft man, dass 31'120 Fans für das Prädikat "ausverkauft" sorgen werden. Eine grössere Kulisse zogen die Berner nur einmal an: 1959 wohnten dem Meistercup-Halbfinal gegen Stade Reims im Wankdorf sogar 63'000 Fans bei. Christoph Spycher freut sich enorm: "Für diese Spiele arbeitet man jeden Tag."

Dass sich YB vor einem englischen Team nicht verstecken muss, beweist ein Blick in die jüngere Vergangenheit. Im August 2010 setzte sich YB in der Champions-League-Qualifikation gegen Tottenham 3:2 durch, nachdem man die Londoner in der ersten Halbzeit regelrecht an die Wand gespielt hatte. Lulic, Bienvenu und Hochstrasser sorgten damals bis in der 28. Minute für einen YB-Rausch und eine 3:0-Führung. "An jene erste Halbzeit können wir uns gerne erinnern", so Goalie Marco Wölfli, "wir dürfen Respekt haben, aber nicht zu viel. Wir spielen zu Hause und wollen unser System durchziehen."

Für Liverpool kommt die heutige Partie zu einem schlechten Zeitpunkt. Nach einem enttäuschenden Meisterschaftsstart mit nur zwei Punkten aus vier Partien steht am Sonntag ein ganz heisser Tanz an: Erzrivale Manchester United gastiert an der Anfield Road und die Liverpooler müssen unbedingt gewinnen, um sich aus der Schieflage zu befreien.

Der neue Trainer Brendan Rodgers hat sich deshalb für heute zu einer "Frischzellenkur" entschieden. Seine Stars wie Steven Gerrard, Luis Suarez, Glen Johnson, Martin Skrtel, Joe Allen, Martin Kelly oder Daniel Agger haben die Reise nach Bern ebenso nicht mitgemacht wie der zuletzt kritisierte Goalie Pepe Reina, für den Brad Jones zwischen den Pfosten stehen wird.

Liverpool spielt heute quasi mit der britischen Version der "Young Boys". Es ist nicht damit zu rechnen, dass mit Ausnahme des türkischen Mittelfeldspielers Nuri Sahin am Sonntag auch nur ein Akteur aus der heutigen Formation in der Startaufstellung stehen wird. Für Rueda kam diese Erkenntnis ein wenig überraschend, noch an der Medienkonferenz am Mittag hatte er gesagt, er rechne nicht damit, dass Liverpool viele Spieler schonen werde.

Schlagkräftig dürfte der LFC dennoch sein. Besonders gespant sein darf man auf das Debüt des Marokkaners Oussama Assaidi, der unlängst von Heerenveen verpflichtet wurde sowie auf Samed Yesil. Der 18-jährige Deutsche wurde im Sommer zu einem "Schnäppchenpreis" von einer Million Euro von Bayer Leverkusen verpflichtet und dürfte nun heute erstmals auf höchster Ebene getestet werden, tendenziell aber nicht von Anfang an.

Brendan Rodgers sah seine Vorstellungen von Fussball bislang nur vereinzelt verwirklicht. Der Nordire hatte im Vorjahr mit Swansea City die gesamte Liga verblüfft, nicht nur mit Resultaten sondern vor allem auch mit gepflegtem Passspiel, ein wenig à la spanische Nationalmannschaft. Für die heutige Partie erwartet er von seinen Spielern trotz der Absenzen einiges: "Ich denke, wir haben ein Team hier, das gewinnen kann, mit einer guten Mischung aus erfahrenen Spielern und hoffnungsvollen Nachwuchsspielern." Rodgers kann verstehen, dass von aussen der Eindruck aufkommen kann, sein Klub nehme den Wettbewerb nicht ernst: "Ja, das kann ich nachvollziehen, aber ich muss doch schauen, was im besten Interesse unseres Klubs ist.

Gross geglänzt hat Liverpool heuer auf internationaler Ebene noch nicht: Den beiden Siegen gegen die Weissrussen von Gomel (a 1:0; h 3:0) folgte in den Playoffs ein "Geknorze" gegen Hearts of Midlothian. Trotz des 1:0-Erfolges in Schottland geriet die Qualifikation für die Gruppenphase noch einmal in Gefahr, als die Gäste an der Anfield Road nach 85 Minuten in Führung gingen. Suarez verhinderte mit seinem Ausgleichstreffer (88.) dann den gefährlichen Gang in die Verlängerung.

Ein weites Vorstossen oder sogar der Titelgewinn würde dem beeindruckenden Palmares nur wenig zusätzlichen Glanz verleihen: Liverpool zählt national mit 18 Meistertiteln, 7 FA-Cup-Trophäen und 8 Liga-Cup-Titeln ebenso zur absoluten Elite wie international (5 mal Meistercup beziehungsweise Champions League, 3 mal UEFA Cup). Allerdings liegen die meisten Erfolge schon weit zurück, die letzte Meisterschaft datiert von 1990. Noch vier Jahre länger wartet YB auf einen Meistertitel.

In grauer Vorzeit waren sich die beiden Teams zweimal in Freundschaftsspielen gegenübergestanden. 1953 trennten sich die beiden Teams in den USA 1:1 unentschieden, 1984 gewann der Favorit 1:0.

Young Boys - Liverpool. - Donnerstag, 19.00 Uhr, Stade de Suisse.

Die möglichen Aufstellungen:

Young Boys: Wölfli; Sutter, Ojala, Veskovac, Raimondi; Spycher; Zarate, Farnerud, Christian Schneuwly, Nuzzolo; Bobadilla.

Liverpool: Jones; Wisdom, Carragher, Coates, Enrique; Suso, Henderson, Sahin; Assaidi, Pacheco, Downing.

Bemerkungen: YB ohne Nef (gesperrt), Liverpool ohne Gerrard, Suarez, Johnson, Agger, Skrtel, Allen, Kelly, Reina (alle geschont) und Cole (verletzt).